Max Mannheimer 96-jährig verstorben

23.09.16 Max Mannheimer war einer der letzten aktiven Zeitzeugen, der die faschistische Hitlerdiktatur, Inhaftierung in Konzentrationslagern, bestialische Unterdrückung und die Ermordung von Millionen miterlebt hat.

Unermüdlich mahnte und erinnerte er bis kurz vor seinem Tod vor allem die Jugend, aktiv zu sein gegen Neofaschismus und Rassismus: "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon".

Max Mannheimer trat entschieden für das Verbot faschistischer Organisationen ein. Am 21. Juni 2008 beteiligte er sich mit einer Rede an den Protesten in München gegen die geplante Einschränkung des Versammlungsrechts in Bayern.

Er sagte:"Der neue Gesetzentwurf wird vor allem damit begründet, dass er ein besseres Vorgehen gehen Nazi-Aufmärsche und deren Propaganda ermöglicht. Ich verstehe den Wunsch nur zu gut. Denn wir alle sind empört über die zunehmenden Nazi-Provokationen auch in Bayern. Aber dieser Gesetzentwurf ist der völlig falsche Weg. Denn wir können auch hier aus der Vergangenheit etwas lernen.
Die Abschaffung der Grundrechte war für die Nazis nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch ihr Ziel.
Nazis wollen einen Staat ohne Freiheitsrechte. Sie wollen eben nicht mündige Bürger, sondern bewusstlose, gehorsame Untertanen. Ihr Ziel war und ist heute, genau so ein Staat von Befehlsempfängern, nicht von freien Bürgern.
Wir wissen doch zur Genüge, dass Nazi-Demonstrationen auch das Ziel haben, immer wieder zu provozieren und gleichzeitig dabei den angeblich „laschen“ demokratischen Staat lächerlich zu machen. ...Und deshalb, liebe Freundinnen und Freunde, ist die Einschränkung von Rechten auch das völlig falsche Mittel zur Bekämpfung. Denn mit Einschränkungen von Bürgerrechten schränkt man nicht Nazis ein, sondern tut ihnen einen Gefallen.

Nein, wenn man gegen Nazis vorgehen will, darf man nicht die Möglichkeiten aller Menschen einschränken, sich zu versammeln und zu protestieren. Wenn man staatlicherseits wirklich stärker gegen die NPD und ihre Hilfstruppen vorgehen will, dann muss man erst einmal alle vorhandenen Rechtsmittel ausschöpfen und anwenden. Dann muss man eben vielleicht den Mut haben, die Voraussetzungen für ein NPD-Verbot zu schaffen.

Das wäre auch eine Konsequenz des Grundgesetzes. Denn es soll die Demokratie schützen, aber nicht die Nazis, die sie abschaffen wollen.

Und wir dürfen auch nicht vergessen, es ist doch eigentlich auch den vielfältigen öffentlichen Protesten und Kundgebungen engagierter Demokraten, von Gewerkschaftsgruppen bis zu kirchlichen Gruppen, von Jugendverbänden bis zu Bürgerinitiativen zu verdanken, dass Nazis sich nicht ungestört breit machen können.

Dieses Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, gerade auch von Gewerkschaften, ist lebensnotwendig für unsere Demokratie."

 

zitiert aus Radio Lora Max Mannheimer, Rede vom 21. Juni 2008

MLPD München